Fahrrad Reifendruck: So viel bar braucht dein Reifen

Fahrrad-Reifendruck: die Kurzantwort

Den richtigen Fahrrad-Reifendruck findest du zuerst auf der Reifenflanke: Dort stehen Mindest- und Höchstdruck in bar und psi, und dein Wert sollte innerhalb dieser Spanne liegen. Als Richtwerte für eine Person mit 75 kg gelten etwa 6 bis 7 bar beim Rennrad, 3 bis 4,5 bar beim City- und Trekkingrad und 1,8 bis 3 bar beim Mountainbike. Je breiter der Reifen, desto weniger Luft braucht er, je schwerer Fahrer und Gepäck, desto mehr.

Laut Pannenhilfe-Bilanz des ADAC hatten 71,5 Prozent aller Fahrradpannen mit den Reifen zu tun. Der passende Luftdruck senkt das Risiko für Durchschläge, schont Felge und Schlauch und sorgt dafür, dass dein Rad leicht rollt und präzise lenkt.

Reifendruck-Tabelle fürs Fahrrad nach Reifenbreite

Die folgenden Werte veröffentlicht der ADAC für eine Person mit 75 kg Körpergewicht. Sie sind Startwerte, keine Vorschrift. Hinten liegt der Wert jeweils etwas höher, weil auf dem Hinterrad mehr Gewicht lastet als auf dem Vorderrad.

Reifenbreite Typisch für Druck vorne in bar (psi) Druck hinten in bar (psi)
25 mm Rennrad 7,0 (102) 7,2 (104)
28 mm Rennrad 6,0 (87) 6,2 (90)
35 mm Trekkingrad, Gravelbike 4,5 (65) 4,7 (68)
40 mm Trekking- und Cityrad 4,0 (58) 4,2 (61)
50 mm (2,0 Zoll) Trekkingrad, Mountainbike 3,0 (44) 3,2 (46)
2,3 Zoll (ca. 58 mm) Mountainbike 2,0 (29) 2,2 (32)
2,5 Zoll (ca. 64 mm) Mountainbike 1,8 (26) 2,0 (29)

Die psi-Werte sind gerundet, 1 bar entspricht rund 14,5 psi. Liegt ein Tabellenwert außerhalb der Spanne auf deiner Reifenflanke, gilt immer die Flanke. Die Reifenbreite steht ebenfalls dort: Bei der Angabe 40-622 ist die erste Zahl die Breite in Millimetern, die zweite der Durchmesser des Felgensitzes.

Reifenflanke und Felge: diese Grenzen gelten immer

Auf jedem Fahrradreifen ist ein zulässiger Druckbereich eingeprägt oder aufgedruckt, etwa „min. 3,0 bar, max. 5,0 bar“ oder dieselbe Spanne in psi. Der Höchstwert ist eine Sicherheitsgrenze: Wird er deutlich überschritten, werden Reifen und Felge überlastet, im schlimmsten Fall platzt der Reifen. Unter dem Mindestwert walkt der Reifen, die Seitenwand altert schneller und Durchschläge auf die Felge werden wahrscheinlicher.

Auch die Felge hat eine Obergrenze. Das spielt vor allem eine Rolle, wenn du auf schmalere Reifen umrüstest, denn dann steigt der nötige Druck. Bei Hookless-Felgen (Felgen ohne Haken am Felgenhorn) liegt der Maximaldruck im Rennradbereich laut ETRTO-Norm bei 5 bar, auch wenn der Reifen mehr erlauben würde. Viele Felgenhersteller empfehlen dort mindestens 28 mm breite Reifen. Stehen auf Reifen und Felge unterschiedliche Höchstwerte, gilt immer der niedrigere.

Der optimale Druck liegt meist irgendwo in der Mitte der Spanne. Das Maximum auszureizen bringt im Alltag selten Vorteile, weil kaum eine Straße so glatt ist, dass ein bretthart aufgepumpter Reifen spürbar schneller rollt.

So findest du deinen persönlichen Reifendruck

Die Tabelle ist ein Startpunkt. Deinen eigenen Wert ermittelst du in sechs Schritten:

  1. Lies Reifenbreite und Druckbereich auf der Reifenflanke ab.
  2. Such dir in der Tabelle den Startwert für deine Reifenbreite.
  3. Passe ihn an dein Gewicht an. Faustregel des ADAC: pro Kilogramm Körpergewicht mehr rund 1 Prozent mehr Druck. Gepäck, Kindersitz und Einkäufe zählen mit. Bist du leichter als 75 kg, darfst du entsprechend etwas weniger nehmen.
  4. Berücksichtige den Untergrund: auf glattem Asphalt eher etwas mehr, auf Schotter, Waldwegen und Kopfsteinpflaster etwas weniger.
  5. Mach eine Testfahrt und verändere den Druck in kleinen Schritten von etwa 0,2 bar.
  6. Notiere dir die Werte für vorne und hinten, mit denen du dich wohlfühlst.

Ein Rechenbeispiel: Du wiegst 90 kg und fährst 40 mm breite Trekkingreifen. Das sind 15 kg über dem Bezugswert, also rund 15 Prozent mehr Druck. Aus 4,0 bar vorne werden etwa 4,6 bar, aus 4,2 bar hinten etwa 4,8 bar, vorausgesetzt, die Reifenflanke erlaubt das.

Wer schlauchlos fährt (Tubeless), kann laut Schwalbe generell mit etwas weniger Druck fahren, weil kein Schlauch zwischen Reifen und Felge eingeklemmt werden kann. Auch breite Reifen kommen mit weniger Luft aus und bieten dabei mehr Fahrkomfort.

Reifendruck beim E-Bike, Rennrad und Mountainbike

  • E-Bike und Pedelec: Die Reifen funktionieren wie an jedem anderen Rad, maßgeblich ist auch hier die Flanke. Wegen des Mehrgewichts von Motor und Akku rät der ADAC aber, auf den Richtwert rund 10 Prozent aufzuschlagen, bei 4 bar also etwa 0,4 bar. Zu wenig Luft kostet beim E-Bike außerdem Reichweite, weil der Motor gegen mehr Rollwiderstand arbeitet.
  • Rennrad: Heute sind 25 bis 28 mm breite Reifen verbreitet, die mit deutlich weniger Druck auskommen als die sehr schmalen Reifen früherer Jahre. Hoher Druck entweicht zudem schneller, deshalb lohnt sich beim Rennrad eine Kontrolle vor jeder Ausfahrt. Bei Hookless-Felgen gilt die 5-bar-Grenze.
  • Gravelbike: Der Druck liegt zwischen Rennrad und Mountainbike und richtet sich stark nach dem Untergrund. Auf losem Schotter darf es spürbar weniger sein als auf Asphalt.
  • Mountainbike: Weniger Druck bringt mehr Grip, Traktion und Dämpfung im Gelände. Zu weich ist der Reifen, wenn er in Kurven seitlich wegknickt oder an Wurzeln und Kanten auf die Felge durchschlägt.
  • Lastenrad und Rad mit Anhänger: Wegen der hohen Zuladung eher im oberen Bereich der Flankenangabe bleiben.

Reifendruck richtig messen und aufpumpen

Messen kannst du den Druck nur mit einem Manometer, am bequemsten mit einer Standpumpe mit Druckanzeige. Die Daumenprobe täuscht: Ab etwa 2 bar fühlt sich fast jeder Reifen prall an, Unterschiede darüber spürst du kaum. Minipumpen sind für unterwegs gedacht und zeigen den Druck meist nicht an.

So gehst du vor:

  1. Ventilkappe abschrauben. Beim Sclaverandventil (Rennrad- oder französisches Ventil) zusätzlich die kleine Rändelmutter an der Spitze aufdrehen.
  2. Passenden Pumpenkopf wählen: Sclaverand- und Dunlopventil passen meist auf den schmalen Anschluss, das Autoventil (Schrader) auf den breiten.
  3. Pumpenkopf gerade aufsetzen und verriegeln. Zischt es, sitzt er nicht richtig.
  4. Bis zum Zielwert pumpen und dabei das Manometer im Blick behalten.
  5. Zu viel Luft? Beim Sclaverand- und Autoventil kurz auf den Ventilstift drücken.
  6. Pumpenkopf abziehen, Rändelmutter zudrehen, Kappe aufsetzen.

Wie oft? Selbst ein dichter Schlauch verliert laut Schwalbe und ADAC etwa 1 bar pro Monat. Kontrolliere den Druck deshalb mindestens einmal im Monat, beim Rennrad, mit Latexschlauch und vor längeren Touren besser vor jeder Fahrt.

Zu wenig oder zu viel Luft: daran erkennst du es

Zu wenig Druck merkst du daran, dass das Rad zäh rollt, als würdest du ständig gegen den Wind fahren. Die Lenkung wird schwammig, in Kurven fühlt sich der Reifen an, als würde er seitlich wegschwimmen. Eine typische Folge ist der sogenannte Snakebite: Der Reifen schlägt an einer Kante durch, der Schlauch wird gegen die Felge gequetscht und bekommt zwei kleine, nebeneinanderliegende Löcher. Wie du ihn behebst, zeigt unsere Anleitung Fahrradschlauch wechseln.

Zu viel Druck erkennst du an einem harten, unruhigen Fahrgefühl: Jede Fuge und jeder Stein kommt ungefiltert an Händen und Rücken an, auf nassem oder losem Untergrund rutscht der Reifen leichter weg. Zeigt der Verschleiß ein in der Mitte deutlich stärker abgefahrenes Profil, war der Druck oft dauerhaft zu hoch. Risse in der Seitenwand deuten dagegen eher auf zu wenig Luft hin. Dann ist meist ein neuer Mantel fällig, siehe Fahrradreifen wechseln.

Wann du besser in die Werkstatt gehst

Aufpumpen ist schnell erledigt, manche Anzeichen sind aber ein Fall für Fachleute:

  • Der Reifen verliert innerhalb weniger Tage spürbar Luft, obwohl du den Schlauch schon geflickt oder getauscht hast. Ursache können ein undichtes Ventil, ein verrutschtes Felgenband oder ein Fremdkörper im Mantel sein.
  • Nach einem harten Durchschlag hat die Felge eine Delle oder einen Riss, oder das Laufrad eiert. Beschädigte Laufräder sind ein Sicherheitsrisiko und gehören in die Fahrradwerkstatt.
  • Du möchtest auf Tubeless umrüsten oder bist unsicher, welchen Höchstdruck deine Felge verträgt, etwa bei Carbon- oder Hookless-Laufrädern.
  • Am E-Bike mit Nabenmotor im Hinterrad ist der Radausbau wegen Motorkabel und Achsbefestigung aufwendiger. Hier hilft ein E-Bike-Service.

Sitzt der Reifen nach dem Aufpumpen ungleichmäßig auf der Felge oder zeigt er Beulen, fahr nicht los, bis das geprüft ist.

Häufige Fragen

Wie rechne ich psi in bar um?

1 bar entspricht rund 14,5 psi. Für die Umrechnung von psi in bar teilst du den psi-Wert durch 14,5, für den umgekehrten Weg multiplizierst du den bar-Wert mit 14,5. Steht auf deinem Reifen zum Beispiel 65 psi, sind das knapp 4,5 bar. Viele Standpumpen zeigen beide Skalen gleichzeitig an. Achte beim Ablesen darauf, die richtige Skala zu erwischen, sonst pumpst du schnell viel zu wenig oder zu viel.

Kann ich mein Fahrrad an der Tankstelle aufpumpen?

Mit Autoventil geht das direkt, für Sclaverand- und Dunlopventile brauchst du einen kleinen Adapter. Vorsicht ist trotzdem angebracht: Die Geräte sind für große Autoreifen gebaut, ein Fahrradschlauch hat sehr wenig Volumen und ist in Sekunden gefüllt. Stell den Zielwert vorher ein, pumpe in kurzen Stößen und kontrolliere das Ergebnis. Den Höchstwert auf der Reifenflanke darfst du auch hier nicht überschreiten.

Warum verliert mein Fahrradreifen ständig Luft?

Ein gewisser Druckverlust ist normal, rund 1 bar im Monat. Ist der Reifen schon nach ein bis zwei Tagen weich, steckt meist mehr dahinter: ein kleines Loch im Schlauch, ein Dorn oder Glassplitter im Mantel, ein undichter Ventileinsatz oder ein verrutschtes Felgenband, an dessen Kante der Schlauch scheuert. Prüfe zuerst das Ventil mit etwas Seifenwasser. Findest du die Ursache nicht, lohnt sich ein Termin in der Werkstatt.

Muss ich den Reifendruck im Winter anpassen?

Kontrolliere ihn in der kalten Jahreszeit häufiger. Luft zieht sich bei Kälte zusammen: Laut Continental ändert sich der Reifendruck um etwa 0,17 bar pro 10 Grad Temperaturunterschied. Pumpst du im warmen Keller auf und fährst bei Frost los, hast du draußen also etwas weniger Druck. Auf nassem oder glattem Untergrund kannst du bewusst im unteren Bereich der Flankenangabe bleiben, weil das mehr Grip bringt.

Welcher Reifendruck ist beim Kinderfahrrad richtig?

Auch beim Kinderrad gilt die Angabe auf der Reifenflanke. Weil Kinder wenig wiegen, reicht oft ein Wert im unteren bis mittleren Bereich der Spanne, solange der Reifen beim Draufsetzen nicht sichtbar einsinkt. Zu weiche Reifen machen das Treten unnötig schwer und nehmen Kindern schnell die Lust am Fahren. Zeig ihnen früh, wie man mit der Standpumpe misst, dann merken sie selbst, wenn Luft fehlt.

Reifen verliert ständig Luft? Werkstatt finden

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