Fahrradreifen wechseln: Schritt für Schritt, mit Reifengrößen erklärt

Fahrradreifen wechseln: die Kurzantwort

Fahrradreifen wechseln kannst du mit zwei Reifenhebern, einer Luftpumpe und dem passenden neuen Reifen selbst. Du baust das Laufrad aus, lässt die Luft ab, hebelst den alten Mantel von der Felge, ziehst den neuen Reifen in Laufrichtung auf und pumpst ihn auf den angegebenen Reifendruck auf. Mit etwas Übung dauert das am Vorderrad etwa 15 bis 20 Minuten, am Hinterrad etwas länger.

Entscheidend ist die richtige Reifengröße: Sie steht auf der Seitenflanke des alten Reifens, am zuverlässigsten als ETRTO-Angabe wie 37-622. Ist nur der Schlauch kaputt, reicht oft ein Schlauchwechsel. Wie das geht, erklären wir in der Anleitung Fahrradschlauch wechseln.

Wann musst du den Reifen wechseln?

Für normale Fahrräder gibt es keine gesetzliche Mindestprofiltiefe wie beim Auto. Ein abgefahrenes Profil allein ist auf Asphalt deshalb oft noch kein Grund zum Tausch. Spätestens bei diesen Anzeichen solltest du den Fahrradreifen wechseln:

  • Die Pannenschutzeinlage oder das Gewebe (Karkasse) schimmert durch die Lauffläche.
  • Die Lauffläche ist am Hinterrad sichtbar flach oder eckig abgefahren.
  • Die Seitenflanken zeigen Risse, wirken spröde oder porös, etwa nach langer Standzeit oder häufigem Fahren mit zu wenig Luft.
  • Es gibt Beulen, Schnitte oder Stellen, an denen sich der Reifen verformt.
  • Du hast trotz neuem Schlauch immer wieder Platten, weil kleine Fremdkörper durch den dünnen Mantel kommen.

Auch ein Wechsel der Einsatzart kann ein Grund sein, zum Beispiel ein gröberes Profil für Winter und Schotter. Bei nasser Fahrbahn ist ein verschlissener Mantel ein echtes Sicherheitsrisiko, weil er schlechter haftet und leichter durchsticht.

Reifengröße ablesen: ETRTO, Zoll und 700C

Auf der Seitenwand stehen meist mehrere Größenangaben. Verlass dich auf die ETRTO-Angabe: Bei 37-622 ist der Reifen 37 Millimeter breit und hat 622 Millimeter Innendurchmesser. Der Innendurchmesser muss exakt zur Felge passen, bei der Breite gibt es Spielraum.

Zoll-Angaben sind dagegen nicht eindeutig. „28 Zoll“ kann 622 oder 635 Millimeter bedeuten, „26 Zoll“ meist 559, aber auch 571 oder 590 Millimeter. Die französische Angabe 700x35C beschreibt ebenfalls einen Reifen mit 622 Millimetern Innendurchmesser.

Zoll-Angabe ETRTO-Innendurchmesser Beispiel ETRTO Typischer Einsatz
20 Zoll 406 mm 47-406 Kinderrad, Faltrad, BMX
24 Zoll 507 mm 47-507 Jugendrad, kleines MTB
26 Zoll 559 mm 50-559 älteres MTB, Trekking
27,5 Zoll (650B) 584 mm 57-584 MTB, Gravel
28 Zoll (700C) 622 mm 37-622 Trekking, City, Rennrad
29 Zoll 622 mm 57-622 MTB

Wie die Tabelle zeigt, haben 28 und 29 Zoll denselben Felgendurchmesser, sie unterscheiden sich nur in der Breite. Willst du breiter fahren als bisher, prüfe vorher Felgenmaulweite, Abstand zu Rahmen, Gabel und Schutzblech. Im Zweifel bleibst du bei der alten Größe.

Werkzeug und Vorbereitung

Für den Reifenwechsel brauchst du kein teures Spezialwerkzeug:

  • neuer Reifen in passender Größe, am besten auch ein neuer Schlauch mit dem richtigen Ventil
  • zwei bis drei Reifenheber aus Kunststoff (keine Schraubendreher oder Metallhebel)
  • Luftpumpe mit Manometer
  • je nach Achse Maulschlüssel oder Inbusschlüssel, bei Schnellspanner oder Steckachse oft gar nichts
  • optional Montagefluid oder Seifenlösung, ein Montageständer und ein Lappen

Ohne Montageständer stellst du das Fahrrad auf Sattel und Lenker. Vorher am Hinterrad auf das kleinste Ritzel schalten, damit die Kette locker wird. Eine Felgenbremse (V-Brake) hängst du aus, damit der Reifen durchpasst.

Schritt für Schritt: Fahrradreifen wechseln

  1. Laufrad ausbauen: Schnellspanner öffnen, Steckachse herausdrehen oder Achsmuttern lösen. Am Hinterrad das Schaltwerk leicht nach hinten ziehen und das Rad aus der Kette nehmen.
  2. Luft komplett ablassen und die Ventilmutter abschrauben.
  3. Beide Reifenwülste rundum in die tiefe Felgenmitte drücken. Das schafft Spiel.
  4. Gegenüber dem Ventil einen Reifenheber unter den Wulst schieben, über das Felgenhorn hebeln und an einer Speiche einhaken. Den zweiten Heber etwa eine Handbreit daneben ansetzen und die Flanke rundum abziehen.
  5. Schlauch herausnehmen, dann die zweite Flanke von der Felge ziehen.
  6. Felge prüfen: Das Felgenband muss alle Speichenlöcher vollständig abdecken. Ein verrutschtes oder rissiges Felgenband tauschst du gleich mit.
  7. Neuen Reifen ansehen: Zeigt ein Pfeil „Rotation“ die Laufrichtung, muss er in Fahrtrichtung zeigen. Dann die erste Flanke mit den Händen auf die Felge ziehen.
  8. Schlauch leicht aufpumpen, bis er rund wird. Ventil gerade durch das Felgenloch stecken und den Schlauch ohne Falten in den Reifen legen.
  9. Zweite Flanke gegenüber dem Ventil beginnend mit beiden Händen aufziehen und dich gleichmäßig zum Ventil vorarbeiten. Das letzte Stück über das Felgenhorn rollen, nicht drücken.
  10. Kontrollieren, dass der Schlauch nirgends zwischen Reifenwulst und Felge eingeklemmt ist. Etwas Luft hinein, dann prüfen, ob die Kontrolllinie über der Felge rundum gleichmäßig sitzt.
  11. Auf den Reifendruck aufpumpen, der auf der Flanke als Bereich angegeben ist. Tipps zum passenden Wert findest du im Ratgeber Fahrrad-Reifendruck.
  12. Laufrad einbauen, Achse fest anziehen, Bremse einhängen und vor der ersten Fahrt eine Bremsprobe machen.

Bei manchen MTB-Reifen stehen getrennte Pfeile für „Front“ und „Rear“. Dann wird derselbe Reifen vorn und hinten bewusst gegensätzlich montiert, weil das Hinterrad Antriebskräfte und das Vorderrad Brems- und Lenkkräfte überträgt.

Wenn der Reifen klemmt: Tipps gegen typische Fehler

Manche Kombinationen aus Reifen und Felge sind sehr stramm, weil beide Bauteile mit kleinen Fertigungstoleranzen hergestellt werden. Das hilft:

  • Den bereits montierten Wulst rundum in die Felgenmitte schieben. Dort ist der Durchmesser kleiner und du gewinnst den entscheidenden Millimeter.
  • Das Ventil gerade halten und zum Schluss kurz in den Reifen hineindrücken, damit der Schlauch dort nicht unter dem Wulst klemmt.
  • Etwas Montagefluid oder Seifenlösung auf den Wulst geben.
  • Den Reifenheber zum Aufziehen nur vorsichtig einsetzen. Er kann den neuen Schlauch einklemmen und aufschlitzen.

Sitzt der Reifen nach dem Aufpumpen eiernd, Luft wieder ablassen, Reifen mit Fluid nachrichten und erneut aufpumpen. Bei hakenlosen Felgen gelten oft niedrige Höchstdrücke. Halte dich immer an den niedrigeren Wert von Reifen und Felge.

E-Bike und S-Pedelec: worauf du achten musst

Bei Pedelecs bis 25 km/h wählst du Reifen in der Größe und Breite, die der Hersteller vorsieht. Viele Reifen tragen eine Kennzeichnung wie E-25, die sie für diese Geschwindigkeit ausweist. Hat dein E-Bike einen Nabenmotor im Hinterrad, wird der Ausbau aufwendiger: Kabel, Stecker und Drehmomentstützen müssen korrekt zurück. Das überlässt du besser einem E-Bike-Service.

S-Pedelecs bis 45 km/h sind rechtlich Kleinkrafträder. Welche Reifen erlaubt sind, steht in den Fahrzeugpapieren (COC). Je nach Eintrag braucht der neue Reifen eine Zulassung nach ECE-R75 oder eine Freigabe des Reifenherstellers. Reifen für S-Pedelecs tragen oft die Kennzeichnung E-50, maßgeblich bleiben aber die Papiere. Außerdem gilt eine Mindestprofiltiefe von einem Millimeter. Ein unpassender Reifen kann die Betriebserlaubnis gefährden. Prüfe deshalb vor dem Kauf die Papiere oder frag in der Werkstatt nach (Stand 10/2026, keine Rechtsberatung).

Wann lieber in die Werkstatt, und wieviel kostet das?

Ein Reifenwechsel am Vorderrad mit Schnellspanner ist eine gute Einsteigerreparatur. In diesen Fällen ist die Werkstatt die sicherere Wahl:

  • Hinterrad mit Nabenschaltung, Rücktrittbremse oder geschlossenem Kettenkasten
  • E-Bike mit Nabenmotor oder Rad mit Steckachse und Scheibenbremse, bei dem du unsicher bist
  • Carbonfelgen, Tubeless-Systeme oder Felgen mit sichtbaren Schäden
  • die Bremse lässt sich danach nicht mehr sauber einstellen

Wieviel kostet ein Reifenwechsel in der Werkstatt? Laut Preislisten aus den Jahren 2023 bis 2026 liegt der Arbeitslohn für Aus- und Einbau samt Reifen- oder Schlauchwechsel meist bei etwa 14 bis 36 Euro pro Rad. Für Hinterräder mit Rücktritt werden bis etwa 42 Euro fällig, mit Kettenkasten oder Heckmotor etwa 43 bis 58 Euro. Dazu kommt das Material. Eine Fahrradwerkstatt prüft dabei auf Wunsch gleich Felge und Bremsen mit.

Häufige Fragen

Wie oft sollte man Fahrradreifen wechseln?

Eine feste Kilometerzahl gibt es nicht. Wie lange ein Reifen hält, hängt von Gummimischung, Gewicht, Fahrweise, Untergrund und Luftdruck ab. Hinterreifen verschleißen meist deutlich schneller als Vorderreifen, weil sie mehr Last tragen und die Antriebskraft übertragen. Schau dir die Reifen deshalb alle paar Wochen genau an und tausche sie nach Zustand, nicht nach Kalender.

Muss ich beide Reifen gleichzeitig wechseln?

Nein. Du kannst jeden Reifen einzeln tauschen, sobald er verschlissen ist. Wichtig ist nur, dass Größe und Bauart zum Rad passen. Fährst du sehr unterschiedliche Reifen vorn und hinten, kann sich das Fahrverhalten spürbar verändern. Bei S-Pedelecs müssen beide Reifen den Angaben in den Fahrzeugpapieren entsprechen.

Wieviel kostet ein neuer Fahrradreifen?

Einfache Reifen gibt es ab etwa 10 bis 15 Euro. Für einen soliden Markenreifen im Alltagsbereich rechnest du mit rund 30 Euro, Pannenschutz-, E-Bike- oder Sportreifen kosten oft 40 bis 60 Euro und mehr. Ein neuer Schlauch kommt mit etwa 7 Euro dazu, Reifenheber kosten nur wenige Euro.

Was ist der Unterschied zwischen Drahtreifen und Faltreifen?

Beim Drahtreifen steckt im Wulst ein Stahldraht, der den Reifen auf der Felge hält. Er ist meist günstiger, aber schwerer und lässt sich nicht zusammenlegen. Beim Faltreifen ersetzt ein Kevlar- oder Aramidkern den Draht. Er ist leichter, platzsparend als Ersatz auf Touren und montiert sich oft etwas leichter. Die Größe ist bei beiden gleich angegeben.

Kann ich eine andere Reifenbreite montieren?

Der Innendurchmesser muss immer gleich bleiben, die Breite darf in Grenzen abweichen. Entscheidend sind die Maulweite der Felge, die Freiheit in Rahmen und Gabel sowie der Abstand zum Schutzblech. Rund herum sollten einige Millimeter Luft bleiben, auch wenn Schmutz am Reifen klebt. Bei S-Pedelecs sind nur die in den Papieren genannten Breiten erlaubt.

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